Wirtschaft | 07.08.2011 .Eine Krisenkonferenz jagt die andere .Die Angst vor einem Börsencrash und unabsehbaren Folgen für die Weltwirtschaft hat Spitzenpolitiker der führenden Industrie- und Schwellenländer zum Handeln getrieben. Die Europäische Zentralbank will ebenfalls handeln.
Wirtschaft | 07.08.2011 .Eine Krisenkonferenz jagt die andere .Die Angst vor einem Börsencrash und unabsehbaren Folgen für die Weltwirtschaft hat Spitzenpolitiker der führenden Industrie- und Schwellenländer zum Handeln getrieben. Die Europäische Zentralbank will ebenfalls handeln.
Kaum drei Wochen ist es her, dass die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Länder in Brüssel Wegweisendes in Sachen Euro-Rettung beschlossen haben. Die Beschlüsse des Gipfels sind noch nicht umgesetzt, und schon wird im Windschatten des US-Schuldendebakels und nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA durch die Ratingagentur Standard & Poor's wieder heftig diskutiert - und telefoniert.
In zahlreichen Schaltkonferenzen bemühten sich die Spitzenpolitiker der führenden Wirtschaftsnationen an diesem Wochenende um eine Beruhigung der Finanzmärkte. Die stellvertretenden Finanzminister der Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) berieten kurzfristig über die brenzlige Lage. Innerhalb der G7 wird zudem diskutiert, das für Mitte September geplante Treffen der Finanzminister vorzuziehen.
Hoffnungen richten sich auf EZB
Mit Hoffnung blickten die Euro-Länder wieder einmal auf die Europäische Zentralbank (EZB), die auf dieser Seite des Atlantiks am ehesten zur Beruhigung der übernervösen Investoren beitragen könnte. Nach mehrstündigen Beratungen teilte die Notenbank am späten Sonntagabend (07.08.2011) mit, sie werde ihr Anleihekaufprogramm "aktiv umsetzen". Dabei ließ sie offen, ob sie von Montag an auch italienische und spanische Anleihen kauft.
Das Programm sei als Reaktion auf gestörte Marktsegmente geschaffen worden, um die Preisstabilität in der Euro-Zone zu sichern, erklärte der EZB-Rat lediglich. Weiter hieß es, die Zentralbank begrüße die neuen Reformanstrengungen von Italien und Spanien. Beide Länder mussten zuletzt Rekord-Zinsen für ihre Refinanzierung anbieten. Italien hatte daher am Freitag zu verstehen gegeben, dass die EZB dem Land mit dem Kauf von Staatsanleihen zu Hilfe kommen könnte.
Zweifel an möglicher Italien-Rettung
In der Bundesregierung wachsen unterdessen nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" die Zweifel, ob Italien durch den europäischen Rettungsschirm EFSF gerettet werden könnte. Italien sei dafür zu groß, selbst wenn der Fonds verdreifacht würde. Der Schirm sei nur dafür ausgelegt, kleine bis mittelgroße Länder aufzufangen. Die Bundesregierung besteht demnach darauf, dass Italien durch Einsparungen und Reformen selbst aus der Krise findet.
Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi kündigte unterdessen an, die Umsetzung des im Juli verabschiedeten Sparpakets zu beschleunigen, um schon 2013 und nicht wie bisher geplant 2014 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen zu können. So werde eine Sozialhilfereform vorgezogen, die Einsparungen in Höhe von 20 Milliarden Euro bringen solle, sagte Berlusconi.
Ankauf von Staatsanleihen
Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy bekräftigten zur Beruhigung der Finanzmärkte die Beschlüsse des Euro-Gipfels vom Juli. Der Euro-Rettungsfonds solle nach seiner Umsetzung im Oktober Anleihen angeschlagener Staaten auf dem Sekundärmarkt kaufen, teilten die beiden Regierungschefs am Sonntagabend mit.
Zugleich ermahnen Merkel und Sarokozy Italien und Spanien, ihren angekündigten Konsolidierungskurs zügig und vollständig umzusetzen. Die Euro-Zone will Anleihehaltern mit der Bereitschaft zu Bond-Käufen signalisieren, dass ihre Investitionen von der Währungsgemeinschaft abgesichert werden.
Autorin: Monika Lohmüller (dapd, afp, rtr)
Redaktion: Thomas Grimmer/Frank Wörner
fuente: http://www.dw-world.de/
Kaum drei Wochen ist es her, dass die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Länder in Brüssel Wegweisendes in Sachen Euro-Rettung beschlossen haben. Die Beschlüsse des Gipfels sind noch nicht umgesetzt, und schon wird im Windschatten des US-Schuldendebakels und nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA durch die Ratingagentur Standard & Poor's wieder heftig diskutiert - und telefoniert.
In zahlreichen Schaltkonferenzen bemühten sich die Spitzenpolitiker der führenden Wirtschaftsnationen an diesem Wochenende um eine Beruhigung der Finanzmärkte. Die stellvertretenden Finanzminister der Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) berieten kurzfristig über die brenzlige Lage. Innerhalb der G7 wird zudem diskutiert, das für Mitte September geplante Treffen der Finanzminister vorzuziehen.
Hoffnungen richten sich auf EZB
Mit Hoffnung blickten die Euro-Länder wieder einmal auf die Europäische Zentralbank (EZB), die auf dieser Seite des Atlantiks am ehesten zur Beruhigung der übernervösen Investoren beitragen könnte. Nach mehrstündigen Beratungen teilte die Notenbank am späten Sonntagabend (07.08.2011) mit, sie werde ihr Anleihekaufprogramm "aktiv umsetzen". Dabei ließ sie offen, ob sie von Montag an auch italienische und spanische Anleihen kauft.
Das Programm sei als Reaktion auf gestörte Marktsegmente geschaffen worden, um die Preisstabilität in der Euro-Zone zu sichern, erklärte der EZB-Rat lediglich. Weiter hieß es, die Zentralbank begrüße die neuen Reformanstrengungen von Italien und Spanien. Beide Länder mussten zuletzt Rekord-Zinsen für ihre Refinanzierung anbieten. Italien hatte daher am Freitag zu verstehen gegeben, dass die EZB dem Land mit dem Kauf von Staatsanleihen zu Hilfe kommen könnte.
Zweifel an möglicher Italien-Rettung
In der Bundesregierung wachsen unterdessen nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" die Zweifel, ob Italien durch den europäischen Rettungsschirm EFSF gerettet werden könnte. Italien sei dafür zu groß, selbst wenn der Fonds verdreifacht würde. Der Schirm sei nur dafür ausgelegt, kleine bis mittelgroße Länder aufzufangen. Die Bundesregierung besteht demnach darauf, dass Italien durch Einsparungen und Reformen selbst aus der Krise findet.
Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi kündigte unterdessen an, die Umsetzung des im Juli verabschiedeten Sparpakets zu beschleunigen, um schon 2013 und nicht wie bisher geplant 2014 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen zu können. So werde eine Sozialhilfereform vorgezogen, die Einsparungen in Höhe von 20 Milliarden Euro bringen solle, sagte Berlusconi.
Ankauf von Staatsanleihen
Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy bekräftigten zur Beruhigung der Finanzmärkte die Beschlüsse des Euro-Gipfels vom Juli. Der Euro-Rettungsfonds solle nach seiner Umsetzung im Oktober Anleihen angeschlagener Staaten auf dem Sekundärmarkt kaufen, teilten die beiden Regierungschefs am Sonntagabend mit.
Zugleich ermahnen Merkel und Sarokozy Italien und Spanien, ihren angekündigten Konsolidierungskurs zügig und vollständig umzusetzen. Die Euro-Zone will Anleihehaltern mit der Bereitschaft zu Bond-Käufen signalisieren, dass ihre Investitionen von der Währungsgemeinschaft abgesichert werden.
Autorin: Monika Lohmüller (dapd, afp, rtr)
Redaktion: Thomas Grimmer/Frank Wörner
fuente: http://www.dw-world.de/
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