Suiza: Faustball: «Die Emotionen und Freundschaften bedeuten mir mehr als jedes Geld»

«Die Emotionen und Freundschaften bedeuten mir mehr als jedes Geld»

von Andreas Hörner

Nach fünf erfolgreichen Jahren in der Faustball-Nationalmannschaft hat der Flumser Fabian Marthy seinen Rücktritt erklärt. «Flumsi», wie der 27-Jährige in der Szene genannt wird, stellt Familie und Beruf in seiner Prioritätenliste vor den Sport.
Während vier Jahren war Fabian Marthy Captain in der Schweizer Nati. Nach dem Gewinn von WM-Silber 2015 in Argentinien nahm er erst ein Time-Out, nun hat er sich gänzlich zum Rücktritt aus dem Nationalteam entschieden. Neben dem Gewinn von Gold- und Silbermedaillen bleiben dem Flumser viele emotionale Erinnerungen und Freundschaften erhalten.
Fabian Marthy, nach der WM 2015 haben Sie sich eine Nati-Pause ausbedungen, nun geben Sie den Rücktritt. Was hat Sie zu diesem bewegt?Ich wurde Anfang 2016 zum ersten Mal stolzer Vater. Ebenfalls habe ich im Frühjahr 2016 eine neue berufliche Herausforderung angenommen und die Arbeitsstelle gewechselt. Durch diese beiden grossen Veränderungen in meinem Leben finde ich nicht mehr die nötige Zeit, die es für die Nationalmannschaft braucht. Ich hatte immer schon gesagt, dass bei mir Familie und Beruf vor dem Faustballsport kommen. Nun haben diese beiden Prioritäten bei mir noch mehr an Bedeutung gewonnen, das hat mich zum Kürzertreten im Faustballsport respektive zum Rücktritt aus der Nationalmannschaft bewegt.
Hatten Sie 2015 schon Rücktrittsgedanken und sich die Pause als Bedenkzeit genommen?Ganz genau. In der Nationalmannschaft «lebt» man einen Zwei- respektive Vierjahres-Rhythmus, da jedes zweite Jahr World Games oder eine WM stattfinden. Dieser Zyklus war nach der Weltmeisterschaft 2015 vorbei. Da kam das Thema Rücktritt zum ersten Mal auf. Ich hätte mir aber vorstellen können, nochmals zwei oder vier Jahre anzuhängen, wenn es sich neben Familie und Beruf hätte vereinbaren lassen. Um dies herauszufinden habe ich mir absichtlich dieses Jahr Zeit genommen. Ich sehe nun aber, dass ich nicht die nötige Zeit aufwenden kann, die es dafür braucht.
Während fünf Jahren haben Sie in der A-Nationalmannschaft 42 Spiele absolviert. Gibt es für Sie «das» Spiel aus dieser Zeit?Es gibt natürlich einige Spiele, die mir in besonders guter Erinnerung geblieben sind. Wenn ich aber eines oder zwei aussuchen müsste, würde ich sagen, dass der EM-Halbfinal und EM-Final 2012 in Schweinfurt «die beiden Spiele» waren. Im Halbfinal stand uns der damalige Weltmeister Deutschland und im Final der Europameister Österreich gegenüber. Beide Spiele konnten wir zu Null gewinnen. Dieser Spielrausch, in den wir uns damals gespielt hatten, ist rückblickend einmalig und bleibt mir in besonders schöner Erinnerung.
Gab es für Sie auch «ein Spiel zum Vergessen»?Ja, die Viertelfinalniederlage gegen Argentinien an der WM 2011 in Österreich. Wir reisten als einer der Titelfavoriten an die WM an und starteten auch souverän ins Turnier. Im Viertelfinal war dann aber überraschend Endstation, nachdem wir zwei Matchbälle nicht verwerten konnten. Das war eine der schmerzhaftesten Niederlagen überhaupt und dementsprechend «ein Spiel zum Vergessen».
Ihr Palmarés beinhaltet einen EM-Titel, sowie je eine Silbermedaille an WM, EM und World Games. Welche Medaille bedeutet Ihnen am meisten?Ich würde den EM-Titel 2012 sowie die Silbermedaille an der WM 2015 auf gleiche Höhe stellen. Der EM-Titel zum einen, weil er so unerwartet kam, da nach der WM 2011 einen grossen Umbruch in der Nationalmannschaft stattgefunden hatte und wir deshalb krasser Aussenseiter an der EM waren. Und die Silbermedaille an der WM 2015 bedeutet mir deshalb soviel, weil es nach 20 Jahren wieder einmal eine Medaille an einer WM und gleichbedeutend mit dem grössten Erfolg der Schweizer Herrennationalmannschaft aller Zeiten ist.
Vier Jahre waren Sie Captain des Schweizer Teams, eine besondere Rolle für Sie?Klar, als Captain jeweils aufs Feld auflaufen zu dürfen, erfüllte mich jedes Mal mit Stolz. Es war für mich auch ein Zeichen von Vertrauen der Trainer und Mannschaftskollegen, die mir diese Aufgabe zutrauten.
Seit zehn Jahren spielen Sie bei Diepoldsau in der NLA. Gibt es auch hier Rücktrittsgedanken?Nein, der Rücktritt aus der Nationalmannschaft hat für Diepoldsau keinen Einfluss. Ich werde dort weiterhin der ersten Mannschaft zur Verfügung stehen.
Während eines Jahrzehnts haben Sie viel Zeit und auch viel Geld in den Spitzensport investiert – in eine reine Amateursportart. Was betrachten Sie persönlich als Entschädigung dafür?Ich durfte zahlreiche unbezahlbare Emotionen während dieser Zeit erleben und diese mit meinen Mannschaftskollegen teilen. Wenn ich zum Beispiel an die Siegerehrung nach dem Gewinn des Europameistertitels mit Nationalhymne und Goldmedaille um den Hals zurückdenke, bekomme ich heute noch eine Gänsehaut. Zum anderen konnte ich mitunter auch wegen der Nationalmannschaft einige neue Freundschaften weltweit schliessen. Das alles zusammen bedeutet mir mehr als jedes Geld und ist darum Entschädigung genug.
An dieser Stelle möchte ich auch allen Danke sagen, die mich während meiner wunderbaren Zeit in der Nationalmannschaft begleitet und unterstützt haben. Speziell an alle meine Teamkollegen während dieser Zeit für die gemeinsamen erlebten besonderen Momente, allen Trainern und Staff für ihren unermüdlichen Einsatz und geleistete Arbeit, sowie alle Fans und besonders dem CFFN für die Anfeuerungsrufe und Unterstützung.
Wie sehen Sie persönlich die Zukunftsperspektiven für den Faustballsport?Das Niveau an der Weltspitze ist extrem hoch, wird aber jährlich noch besser. Ich glaube das ist darauf zurückzuführen, dass trainingstechnisch ein gewaltiger Sprung in Richtung Professionalität gemacht wurde. Auch durfte der Faustballsport in letzter Zeit etwas mehr an Medienpräsenz gewinnen. Ich hoffe, dass dieser Trend so weiter geht und dadurch auch die Popularität steigt. Persönlich glaube ich aber, dass es trotz allem ein Amateursport bleiben wird.
In der Zukunft liegt auch die Austragung der Weltmeisterschaft 2019 in der Schweiz (Winterthur). Könnte die «WM 2019» im eigenen Land zu einem Reizwort für einen «Rücktritt vom Rücktritt» werden?Eine Heimweltmeisterschaft ist für jeden Sportler ein riesen Highlight, das wäre es natürlich auch für mich. Aber ein konkretes Thema ist es jetzt nicht, aber wie sagt man so schön: «Sag niemals nie.»

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