Jubiläum für die Sommerzeit in Deutschland

Ursprünglicher Sinn an der Uhr zu drehen war es, Energie zu sparen. Wenn es abends länger hell ist, so die Idee, würde weniger Strom fürs Licht verbraucht. Als Reaktion auf die Ölkrise 1973 führten viele europäische Länder daher die Sommerzeit ein.

Auch die Bundesrepublik wollte. Aber es gab damals ein Problem: Die Regierung des anderen deutschen Staates in Ost-Berlin weigerte sich. Mit der einseitigen Durchsetzung der Sommerzeit wäre der innerdeutsche Verkehr, insbesondere zwischen den beiden Teilen Berlins weiter erschwert und an der Grenze zusätzlich eine Zeitmauer errichtet worden.

Teil der deutsch-deutschen Geschichte

Als dann aber auch Polen und die damalige CSSR die Sommerzeit einführten, lenkte die DDR ein. Und so stellten die Deutschen in Ost und West am 6. April 1980 die Uhren um eine Stunde auf die Sommerzeit vor.

Damals war das kein leichtes Unterfangen, mussten doch die meisten Chronometer noch von Hand bedient werden. Mehr als 2000 professionelle Zeitverschieber waren bundesweit im Einsatz. Allein 600 Bahnmitarbeiter kletterten auf die Leiter und machten sich an den Bahnhofsuhren zu schaffen.

Viele Argumente gegen die Sommerzeit


Von Anfang an gab es viele Kritiker: Lehrer befürchteten, ihre Schüler würden durch den Zeitsprung die erste Schulstunde komplett verschlafen. Die Bauern machten sich Sorgen, dass ihre Kühe weniger Milch geben würden. Und Chronobiologen warnen bis heute vor gesundheitlichen Risiken und Nebenwirkungen der Sommerzeit-Regelung: "Wir müssen einfach erkennen, dass alles was bei uns im Körper abläuft, von einer inneren Zeit gesteuert wird, die sich nicht einfach umstellen lässt", sagt Till Roenneberg, der an der Universität München die innere Uhr des Menschen erforscht.

Das Zeigerdrehen führe im Frühjahr zu einem kollektiven Mini-Jetlag. Die Folge: Müdigkeit und Konzentrationsstörungen, mehr Verkehrsunfälle und Arztbesuche. Vielen hängt die fehlende Stunde Schlaf noch lange nach.

Gegner der Zeitumstellung fordern daher seit Jahren, die Sommerzeit-Regelung wieder abzuschaffen. Zumal auch das Energiesparargument längst widerlegt ist. Zwar wird abends etwas weniger Strom fürs Licht verbraucht, dafür aber morgens umso mehr geheizt. Unterm Strich erhöht die Zeitumstellung daher sogar den Energieverbrauch.

Trotzdem: Sommerzeit bleibt


Was bleibt ist das Plus an Lebensqualität. Egal ob im Biergarten, am Baggersee oder bei der Grillparty: Viele haben sich inzwischen an die längeren Sommerabende gewöhnt. Und dabei wird es vorerst auch bleiben. Denn trotz der Bedenken hält die EU unbeirrt an der Zeitverschiebung fest.

In einer Zwischenbilanz kam die Europäische Kommission Ende 2007 zu dem Ergebnis, "dass die Sommerzeitregelung nach wie vor angemessen ist. Kein Mitgliedsstaat hat die Absicht geäußert, die Sommerzeit abzuschaffen oder die Bestimmungen der geltenden Richtlinie zu ändern".

Für alle Zeitgenossen, die sich nie mehr die lästige Eine-Stunde-vor-oder-zurück-Frage stellen wollen, empfiehlt sich übrigens folgende Sommerzeit-Eselsbrücke: Im Frühjahr stellt man die Gartenmöbel VOR das Haus, im Winter stellt man sie wieder ZURÜCK.

Autor: Ralf Gödde
Redaktion: Kay-Alexander Scholz

fuente. http://www.dw-world.de

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